Der schwedische Sonderweg, war es ein Holzweg?

Es sind gerade einmal 2 ½ Monate vergangen als am 3. April 2020 Herbert Kickl seine Brandrede zur Corona-Krise im Parlament unter dem Titel: „Es braucht dringend einen Strategiewechsel!“ hielt und damit seine Show abzog. Er meinte damit, man sollte besser einen Weg beschreiten, wie es Schweden „vorzeigt“.
(Siehe dieses Video )

Zum damaligen Zeitpunkt hatte Österreich (zu einem guten Maß auch der (anti-)professionellen Vorgehensweise in Ischgl zu verdankende) 11.383 nachgewiesene Infektionsfälle bei einer Steigerungsrate von (absolut) 417 Fällen (zum Vortag), entsprechend 3,66 % und 168 dem Covid-19 Virus zuzuordnende Todesfälle.

Schweden verzeichnete genau an diesem 3. April lediglich 6.131 nachgewiesene Infektionsfälle, allerdings schon bei einer Steigerungsrate von (absolut) 563 Fällen, entsprechend 9,18 % und immerhin schon mit 358 Covid-19 bedingten Todesfällen.

Was war nun so gut, am so oft in den Himmel gelobten schwedischen (Sonder-)Weg?

Aus heutiger Sicht vermutlich nicht sehr viel! Laut „Amtliches Dashboard COVID19“ der österreichischen Bundesregierung zählte man bei uns mit Stichtag 14. Juni 2020 um 15:00 Uhr 17.028 jemals positiv auf Covid-19 getestet Personen, bei 651 dem Covid-19 Virus zuzuordnenden Todesfällen.

Gemäß international bestätigter Daten (siehe: „COVID-19 Dashboard by the Center for Systems Science and Engineering at Johns Hopkins University”  verzeichnet Schweden zum etwa gleichen Zeitpunkt 51.614 bestätigte Fälle bei 4.874 Todesfällen.

Hatte Schweden am 3. April nur gut halb so viele bestätigte Fälle gegenüber Österreich, so zählt man aktuell gut 3-mal so viele Fälle im Vergleich zu uns, bei den Todesfällen sind es sogar 7,5-mal so viele.

Nun könnte man eventuell meinen, dass man in Schweden mehr testet als bei uns. Dem ist aber nicht so! Gemäß Datenstand vom 11. Juni gab es in Österreich 512.501 Corona Test (57.969 pro 1 Mio. Einwohner), in Schweden zum gleichen Zeitpunkt lediglich 325.000 (31.941 pro 1 Mio.)

Quelle: statista.com 

Zum Stichtag 2. Juni 2020 lag Schweden noch bei 23.657 Test pro 1 Mio. Einwohner (Quelle statista.com). Die mittlerweile deutlich hochgefahrene Anzahl der Tests führte zu einem massiven Anstieg der nachgewiesenen Corona Fälle.

Im Zeitraum vom 1 bis zum 14. Juni verzeichnete:

Österreich: 390 neue nachgewiesene Fälle und
Schweden: 14.072 neue nachgewiesene Fälle (das sind gut 36-mal so viele wie bei uns)

Das sofortige Gegenargument (wie ich es sehr oft schon gelesen habe) ist natürlich, dass der wirtschaftliche Einbruch mehr oder weniger vermieden werden konnte. Nur, stimmt das auch?

Österreich kommt laut aktueller Prognose der OECD mit einem Wirtschaftsrückgang von heuer -6,2 Prozent relativ gut durch die Krise. Schweden liegt in dieser Prognose mit -6,7 Prozent geringfügig hinter Österreich. (Datenstand vom 10. Juni 2020, Quelle: Wiener Zeitung)

Stefan Löfven (der Ministerpräsident Schwedens) muss sich immer mehr kritische Fragen stellen lassen – nun, da auch sein oberster Epidemiologe nicht mehr herumkommt, gravierende Fehler einzugestehen. (Siehe auch: „Der schwedische Sonderweg war ein Holzweg“  

Dann kommt noch der Begriff: Durchseuchung bzw. auch Herdenimmunität (gerne auch von Trump als Argument für eher lockere Maßnahmen genannt).

Was ist daran? Herdenimmunität, leider keine Spur davon!

Denn ganz offensichtlich hat sich das Virus in Schweden deutlich stärker verbreiten können als in vielen anderen Ländern. Gleichzeitig ist man von der erhofften Herdenimmunität nach wie vor weit entfernt. Die jüngste Studie hat gezeigt, dass gerade einmal 7,5 Prozent der Stockholmer Antikörper in sich tragen. Viel zu wenig, wenn man eine immune Gesellschaft erreichen will. Noch vor ein paar Wochen hatte die nationale Gesundheitsbehörde prognostiziert, dass schon im Juni zumindest in Stockholm ein Großteil der Bevölkerung immun sein könnte.

Was in dieser ganzen Thematik immer wieder vergessen wird: Es gibt kein Land auf der Welt, das sich wirtschaftlich als eine unabhängige Insel absetzten kann. Es hängt alles über zahlreiche Ecken zusammen und wenn es irgendwo hackt, dann spürt man es sehr bald auch an davon weit entfernten Stellen.

Die Insel der Seligen gibt es nicht (mehr)!

Aus meiner Sicht war der österreichische Weg (politisch neutral betrachtet) mit seinen rigorosen Einschränkungen durchaus zum Ziel führend.
Nicht sehr optimal waren allerdings eine Reihe unverständlicher Formulierungen, die von der Polizei, von den Strafbehörden und selbst von gestandenen Juristen falsch oder unterschiedlich aufgefasst wurden. In der „Eile“ wurden wohl einerseits Verordnungen geschaffen, die nicht eindeutig klar formuliert wurden und woran hochbezahlte Juristen gearbeitet haben (die am allerwenigsten Corona bedingte finanzielle Einbußen zu erwarten haben), andererseits war aber auch die sogenannte „
Drei Gründe Regel“ (zufolge derer man seine 4 Wände verlassen dürfe), wie sie von hochrangigen Regierungsmitgliedern geradezu messianisch verbreitet wurde und von Juristen schnall als Fake Law“ enttarnt war, denn die Betretungsverordnung (in § 2 Z 5) forderte keinerlei Gründe für das Verlassen der Wohnung.

Alles andere als optimal war auch eine „Veranstaltung“ am 13. Mai im Kleinwalsertal, bei der die Veranstalter in keiner Weise in der Lage waren dafür zu sorgen, dass die damals gültigen Corona-Auflagen eingehalten wurden.
Jede andere Veranstaltung mit derartigen Auswüchsen wäre vermutlich umgehend polizeilich aufgelöst worden.

Was mir allerdings an der Gesamtsituation persönlich ganz und gar nicht passt, das war (und ist) die mehr oder weniger dauernde „Selbstinszenierung“ mancher Politiker.   

Datenstand vom 14. Juni 2020


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