Πάμε να φάμε

pame_na_fame

In dieser einfachen und geläufigen Aufforderung (wollen wir essen gehen) steckt mit zwei Verben und einer Konjunktion einiges an Besonderheiten der Griechischen Sprache (und damit der unvermeidlichen Grammatik).

Wir wollen hier einige Kern-Elemente herausgreifen und (stark zusammengekürzt) darstellen.

Die Geschichte lassen wir hier mit der Erkenntnis beginnen, dass das Griechische so einfache Aussagen die bei uns aus einem Personalpronomen (ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie) und einem Verb (gehen, essen, usw.) bestehen, in einem einzigen Wort darstellen kann. Das Geheimnis das sich dahinter verbirgt ist das spezielle Flexionsschema, welches in der griechischen Sprache das Personalpronomen in unterschiedliche Endungen des Verbs hinein zaubert.

Im Indikativ (der Grundform) sind das die Endungen: ω, εις, ει, ουμε, ετε und ουν

Wichtig zu wissen ist: in den Wörterbüchern findet man die Verben im Indikativ für die erste Person Singular, z. B. das Verb „haben“ finden wir also unter: έχω = „ich habe“.

Am Beispiel für den Begriff „haben“ können wir auch gleich einmal alle Formen durchspielen:

Griechisch Deutsch
 1. Pers. Sing. έχω ich habe
 2. Pers. Sing. έχεις du hast
 3. Pers. Sing. έχει er, sie, es hat
 1. Pers. Pl.. έχουμε wir haben
 2. Pers. Pl. έχετε ihr habt
 3. Pers. Pl. έχουν sie haben

Man spricht hier von einem Wortstamm (oben in rot dargestellt) und der Endung (in blau dargestellt).

Um wieder beim Wörterbuch weiter zu machen: wir werden auch den Begriff φάω (1. Person Singular zum ganz oben mit φάμε in 1. Person Plural angegebenen Begriff) nicht finden.

Der Grund dafür ist: φάω ist keine Indikativ Form (Grund Form) sondern eine konjunktive Form (eine Möglichkeitsform), die sich durch die Konjunktion «να» zwingend ergibt. Das Griechische verwendet dafür den so genannten zweiten Stamm. Dieser zweite Stamm lässt sich in den allermeisten Fällen nach recht einfachen Regeln vom ersten Stamm ableiten. Beim Verb „essen“ haben wir es aber mit einer besonders unregelmäßigen Form zu tun, für die der zweiten Stamm völlig anders lautet (was übrigens auch auf die Verben sehen, sagen und trinken zutrifft).

Bei πάμε handelt es sich um πάω mit der Endung für die 1. Person Plural, einer Kurzform von πηγαίνω – einem Verb das wir nur in größeren Wörterbüchern auch unter πάω finden, oft aber auch nur unter πηγαίνω.

Ein Rat, der fast in jedem Griechisch-Kurs gegeben wird und den ich nur immer wieder bekräftigen kann ist: mit jedem neuen Verb möglichst gleich die zweite Version (den zweiten Stamm) mit zu lernen.

Es würde hier zu weit führen, auf die speziellen Aspekte des griechischen Verbs wie einmalige und wiederholte Handlung im Detail einzugehen, dafür gibt es eben Kurse, die sich damit eingehend (oder in oberflächlichen Kursen eher weniger) damit auseinander setzten.

Das Verb ist neben den kleineren Einstiegs-Hürden (wie dem griechischen Alphabet, der Deklination der Adjektive zum Geschlecht des Substantivs und einiger weiterer Besonderheiten) der Knackpunkt der griechischen Sprache.

Das griechische Verb kennt die Zeiten: Gegenwart (Präsens), Vergangenheit und Zukunft (Futur). Für die Gegenwart gibt es eine Form, für die Vergangenheit gibt es 4 Formen (Paratatikos, Aorist, Perfekt und Plusquamperfekt). Für die Zukunft gibt es 3 Formen (einfaches Futur, Verlaufsfutur und vollendetes Futur). Außerdem kennt das griechische Verb die Formen: Indikativ, Υποτακτική, Imperativ und δυνητική.

Darin verstecken sich unzählige Konjugations-Formen, die sich zwar in Regeln fassen lassen (und auch als Regelwerke verfügbar sind), die man aber am besten schrittweise (in etwa so wie ein Kind sich der Sprache annähert) zu sich nimmt und damit eine Art Bauchgefühl für die Sprache entwickelt.

Ergänzende Hinweise:

Verb = Zeitwort = το ρήμα
Konjunktion = Bindewort = ο σύνδεσμος

Die Neugriechisch-Grammatik von Manolis Triantafyllidis (1941) unterscheidet zehn verschiedene (Grund-) Typen unregelmäßiger Verben (siehe dazu Buch 18 in meiner Literatursammlung).
Das Referenzwerk für griechische Verben „Τα Ρήματα της νέας Ελληνικής“ von „Άννα Ιορδανικού“ liefert Datensätze für 6786 Verben und gliedert die Konjugationsregeln in 135 Formen. Siehe dazu auch meinen Beitrag

Ta Rhmata / τα ρήματα
vom Dezember 2014. 

Die Bilder zeigen unsere Lieblings-Taverne «ο Μερακλής» unseres langjährigen Freundes Σωτήρης Τσατάλιος auf Symi (Σύμη).

se_ligoto_psari_inai_etimo.

 

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