COVID-19 oder SARS-CoV-2, was nun?


Eine Ausnahmesituation wie wir sie gerade erleben und bisher nicht kannten (von Überlebenden des letzten Weltkrieges abgesehen) bringt einiges mit sich, gerade auch Verwirrung.

Um hier gleich einmal die Frage in der Überschrift aufzulösen:

Das Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die „Coronavirus-Krankheit 2019“ in Kurzform als COVID-19 (vom englischen: „corona virus disease 2019“). Quelle: Wikipedia 

Verwirrung bei Begriffen (die oft verwechselt werden), Verwirrung bei Nachrichten und Meldungen, Verwirrung bei „was darf man und was nicht, bzw. was soll man“. Dazu kommen leider auch noch viele Falschinformationen, die in Form sogenannter „Fake-News“ verbreitet werden und für viele Zeitgenossen es noch schwieriger macht, die Fakten zu erkennen.

Ich möchte hier ganz bewusst nur auf Fakten eingehen, die von vertrauenswürdigen Quellen nachvollziehbar belegt sind und auf Schuldzuweisungen bezüglich eventueller Versäumnisse (siehe dazu das Dauerthema „Ischgl in Tirol“) ausdrücklich verzichten, die Deutschen Medien machen das ohnehin mehr als perfekt und zerreißen uns regelrecht in der Luft.

Damit sich das, was ich als „meine Meinung sehe“ und das was mit Fakten belegt ist auch gleich unterscheiden lässt, sind „meine persönlichen Meinungen“ (mit denen ich mich sehr zurück halten möchte) entsprechend durch Kursivschrift in hellblau gekennzeichnet.

Es erscheint mir auch als wenig nützlich, hier die Verhaltensregeln zu wiederholen, die ohnehin ständig in allen namhaften Medien kommuniziert werden.

Im Moment sind es zwei Themenkreise, die meiner Meinung nach etwas besser dargelegt werden sollten. Es sind das die „Risikogruppen“ und die „Fake-News

Risikogruppen

Ein auslösendes Thema: „der Wochenmarkt vom 18. März in Vöcklabruck“ und die damit zu lesenden Kommentare in diversen Medien (offensichtlich auch von Personen, die gar nicht dort gewesen sein konnten) haben in mir den Eindruck erweckt, dass der Begriff „Risikogruppe“ nicht ganz richtig (bzw. teilweise völlig falsch) verstanden wird. Aus etlichen Kommentaren war zu erkennen, dass von vielen Personen in Risikogruppen die Gefährder und nicht wie es richtig ist die Gefährdeten gesehen werden!

Was man unter einer Risikogruppe im Zusammenhang mit COVID-19 versteht ist im WEB-Auftritt des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz klar definiert, siehe dort unter der Frage:

Welche Risikogruppen gibt es und wie werden Risikogruppen definiert?

(leider ist die Frage mit der Antwort nicht direkt verlinkt, bitte -> diesen Link öffnen und dann auf die oben genannte Frage klicken) 

Dort ist zu lesen:

International werden hinsichtlich vulnerabler Gruppen und in Bezug auf einen schweren Krankheitsverlauf durch eine SARS-CoV-2/Covid-19-Infektion zumeist ältere Menschen und Menschen mit chronischen Erkrankungen als Risikogruppen genannt.

Österreich hat sich unter Berücksichtigung der Definitionen der wichtigsten Institutionen (WHO, ECDC, RKI, BAG, NHS, CDC) auf folgende vulnerable Gruppen festgelegt:

Ältere Menschen (65+)
– insbesondere mit chronischen Erkrankungen
– Menschen mit chronischen Erkrankungen
als chronische Erkrankungen, nach aktueller Evidenz, gelten:
– (chronische) Atemwegs- bzw. Lungenerkrankungen inkl. COPD
– Diabetes
– Herzkreislauferkrankungen
– Krebserkrankungen
– Bluthochdruck
– Erkrankungen und Therapien, die das Immunsystem schwächen

Anmerkung: Der Begriff Vulnerabilität (von lateinisch vulnus „Wunde“ bzw. vulnerare „verwunden“) bedeutet „Verwundbarkeit“ oder „Verletzbarkeit“. Er findet in verschiedenen wissenschaftlichen Fachrichtungen Verwendung.
Quelle: Wikipedia

Ergänzend ist hier allerdings anzumerken, dass hier eine Risikogruppe, die  „der Raucher“ – wie sie auch von internationalen Gesundheitsexperten (wie zum Beispiel auch dem deutschen Robert Koch Institut) als gefährdet angesehen wird – nicht angeführt ist. Siehe dazu:

Warum Raucher stärker durch das Coronavirus gefährdet sind 

Mit der Antwort:

Raucher gelten nach Angaben des Robert-Koch-Instituts als Risikogruppe bei Corona-Infektionen. Aber warum ist das so?

(die Begründungen dazu bitte in der oben verlinkten Quelle weiterlesen)

Die Kernaussage aus beiden Quellen (und es gibt viele mehr) ist:

Eine Risikogruppe ist dadurch gekennzeichnet, dass das COVID-19 Virus eine höhere bis sehr hohe gesundheitliche Gefahr für genau diese Gruppen ist, aber:

Eine Risikogruppe stellt für alle anderen Personen keine größere Gefahr dar!

Bei der altersmäßigen Schichtung der infizierten Personen ist es in Österreich übrigens genau umgekehrt!

Begründung:

Mit Stand Samstagnachmittag (21. März) sind zwei Drittel der Menschen in Österreich, bei denen eine Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 bestätigt wurde, unter 55 Jahre alt = 67,8 Prozent. (Quelle: Der Standard: Aktuelle Zahlen zum Coronavirus)
Die sogenannte“ Risikogruppe der über 64-Jährigen liegt bei einem Anteil von 17 %

Der Trugschluss dabei:

JEDE mit dem Virus Sars-CoV-2 infizierte Person kann innerhalb der Inkubationszeit andere Personen (im Durchschnitt meist 3 und mehr) anstecken ohne es zu wissen.

Die Inkubationszeit gibt die Zeit von der Ansteckung bis zum Beginn der Erkrankung an. Sie liegt im Mittel (Median) bei 5–6 Tagen (Spannweite 1 bis 14 Tage, daher auch die oft verhängte Quarantäne von 14 Tagen)
(Quelle: ROBERT KOCH INSTITUT

Abschließend zu Thema Risikogruppen: Meiner persönlichen Meinung nach ist ein Wochenmarkt (der in Hinblick auf die Anbieter vom Mittwoch den 18. März ohnehin ein reiner Frischemarkt war, selbst ohne Blumenstände und ohne Waren für den Direktverzehr vor Ort), in freier Natur mit riesigen Abständen zwischen allen Personen — mit Waren, die noch nicht mehrere mögliche Käufer in der Hand gehabt und angetatscht haben — um Größenordnungen weniger gefährdend im Vergleich zu einem Supermarkt in geschlossenen Räumlichkeiten, wo sich (aus Erfahrung vom gleichen Tag) viele Personen einen Dreck um Abstandsregeln kümmern. Unser Einkauf am Wochenmarkt war in weniger als 10 Minuten erledigt. Der anschließende Einkauf im Supermarkt war trotz Tempo nicht unter 20 Minuten zu erledigen.

Abgesehen davon, war die ganze Zeit über, wo wir am Standplatz waren ein Polizist anwesend, der die Gesamtsituation offensichtlich sehr gut im Blick hatte.

Ich gebe allerdings auch einigen Kritikern recht, die den Wochenmarkt am Mittwoch als allgemeinen Treffpunkt kritisieren (nur das war eben am 18. März ganz und gar nicht der Fall). Ich muss mich selbst immer wieder wundern, wie viele tratschende Personen an „normalen“ Wochenmarkt-Tagen alle Wege verstopfen und offensichtlich gar nicht im Sinne haben, etwas zu kaufen, weil sie in der heutigen Zeit (wo man auf Plastik tunlichst verzichten sollte) ohne Trage-Taschen unterwegs sind. Nachdem sie ausreichend viele Einkäufer behindert haben, setzen sie sich dann in die Schanigärten ab.

Fake-News

Eine niemals endende Geschichte sind offensichtlich auch die ganz bewusst in die Welt gesetzten (und von vielen eher unbedarften Zeitgenossen viral weiter verbreiteten) Falsch-Nachrichten, die sehr viele Personen verunsichern.

Tanjev Schultz, er ist seit 2016 Professor für Journalismus an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, sagt dazu:

Es gibt Studien, die belegen, dass sich abstruse, angst machende Nachrichten, wenn sie sehr emotional verfasst sind, unglaublich stark verbreiten. Die gute Nachricht ist, dass nicht alle Leute diese Meldungen glauben. Manche finden das auch einfach unterhaltend wie eine Satire.

Quelle: ZDF Heute 

Und hier eine Aussage, die nun schon 12 Jahre auf dem Buckel hat und nichts an Aktualität eingebüßt hat:

„Liebe 2008ler, Ihr rennt durchs Internet, als gäbe es kein Morgen. Gewissermaßen im Lendenschurz, die Keule in der Hand, instinktgesteuert, der menschlichen Sprache kaum mächtig. Im Netz benehmt Ihr Euch, wie Ihr es draußen niemals wagen würdet. Ihr erzählt jedem alles über Euch und noch einen Haufen Lügen obendrein“.

Schon im November 2016 habe ich mich mit der Thematik befasst und in der daraus entstandenen Abhandlung „Der Teufelskreis“ ist auch der oben stehende Auszug entnommen. Die Aussage stammt aus dem Beitrag „Seid keine Netz-Neandertaler!“ von Juli Zeh, 15. Mai 2008; Quelle: DIE ZEIT, 15.05.2008 Nr. 21

Mein damaliger Ausflug in den Teufelskreis beginnt mit der Aussage: 

Der Mensch baut seine eigene Biografie und damit sich selbst nach narrativen, sprich: kommunikativen Mustern, und nicht etwa durch eine Abbildung tatsächlicher Ereignisse. Die Welt, die Ihr betrachtet, ist ein Interpretationsprodukt Eures Verstands.“ (gleiche Quelle wie oben)

Daran hat sich offensichtlich nichts verändert:

1.) Fake-News brauchen eigenartige Charaktere, die solche einfach erfinden.
und
2.) Fake-News brauchen Nutzer die darauf ansprechen, weil diese Nachrichten nur zu gut in ihre konstruierte Gedankenwelt passen.

Zum Umgang mit „Fake-News“ die man meist sehr schnell erkennen kann, wenn man den eigenen klaren Verstand aktiviert (ohne narrativer Vernebelung), kann man im Beitrag: „10 Tipps zum Umgang mit «Fake News»“ der FHNW School of Business in der Schweiz nachlesen. 

Zum Thema „Aufklärung von Falschmeldungen“ kann man auch besonders eine private und hervorragende österreichische Plattform empfehlen:
und zwar „mimikama – Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch

Mittlerweile hat auch die österreichische Regierung auf die Fluten von offensichtlichen Falschmeldungen reagiert und dazu im Kanzleramt den „Digitaler Krisenstab“ zur Bekämpfung von Fake News eingerichtet (Quelle: „Digitaler Krisenstab“ bekämpft Fake News)

Mittlerweile geht aber auch die österreichische Polizei wesentlich konsequenter gegen absichtliche Falschmeldungen vor. Das Bundesministerium für Inneres warnt vor strafrechtlichen Konsequenzen für das Verbreiten von Fake-News.

Die Salzburger Polizei hat am 14. März 2020 zwei Personen aus dem Tennengau überführt, die Fake-News zum Corona-Virus über soziale Medien verbreitet haben sollen. Die Verdächtigen, 33 und 35 Jahre alt, behaupteten, dass in ihrer Heimatgemeinde eine Person erkrankt sei. Siehe Bundesministerium für inneres Artikel Nr: 17764 vom Samstag, 14. März 2020 

Nun … so weit einmal für heute, den 21. März 2020,
mögen wir hoffen, dass der heutige Frühlingsbeginn auch etwas Frühling in die aktuell so triste Corona-Situation beginnt.


Kommentare

COVID-19 oder SARS-CoV-2, was nun? — 2 Kommentare

  1. Es wäre nach meiner Meinung sehr zielführend wenn man diese Falschmeldungen an eine sich damit befassende Stelle im Ministerium weiterleiten könnte. Wäre doch eine Erleichterung für diejenige Gruppe, deren Aufgabe es ist solche Falschmeldungen aufzuspüren.

    • In der Tat wäre das sehr nützlich, aber die offizielle Meldestelle „ONLINE-SICHERHEIT.AT“ der österreichischen Bundesverwaltung nimmt nur Fälle reiner Kriminalität im Internet entgegen. Es sind das:
      Abzocke & Betrug
      Rufnummernmissbrauch
      Hasspostings und Cyber Mobbing
      Internetkriminalität
      Kinderpornografie & Kindersextourismus
      Nationalsozialismus & radikaler Islamismus

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